Südafrika-Wahl: ANC verliert erstmals Mehrheit und steht vor schwierigen Koalitionsverhandlungen
Erstmals seit 30 Jahren hat der ANC in Südafrika die absolute Mehrheit verloren, was zu schwierigen Gesprächen über eine Regierungsbildung führt. Das Wahlergebnis spiegelt den „Willen der Befreiung“ in einer „starken, robusten und dauerhaften“ Demokratie wider, wie Präsident Cyril Ramaphosa bei der Verkündung der offiziellen Ergebnisse in Johannesburg betonte. Der ANC ist von 57,5 auf 40,2 Prozent abgerutscht und hat 71 Sitze im Parlament verloren.
Die neuen Mehrheitsverhältnisse sind für den ANC schmerzhaft, da mehrere Optionen für Regierungskoalitionen möglich sind, aber politisch heikel sind. Die stabilste Mehrheit würde durch ein Bündnis mit der größten Oppositionspartei Demokratische Allianz (DA) gebildet, die 21,8 Prozent der Stimmen erhielt. Jedoch sind die politischen Unterschiede zwischen den beiden Parteien groß.
Es wird über einen Deal spekuliert, der beiden Parteien erlauben würde, ihren Gesicht zu wahren, wie zum Beispiel die Fortführung der Regierungsgeschäfte durch den ANC und die Besetzung wichtiger parlamentarischer Posten durch die DA. Teams für die Koalitionsgespräche wurden gebildet, darunter auch Personen, die bereits 1994 an der Bildung der ersten demokratisch gewählten Regierung der nationalen Einheit unter Nelson Mandela beteiligt waren.
Ex-Präsident Jacob Zuma und seine Anhänger fordern Verstaatlichungen, wollen die demokratische Verfassung abschaffen und erkennen das Wahlergebnis nicht an, was zu Angst vor Gewalt und Chaos führt. Trotzdem sind sie offen für Gespräche mit dem ANC, fordern jedoch den Rücktritt von Präsident Ramaphosa als Bedingung.
Die Bildung einer Regierungskoalition in Südafrika gestaltet sich also schwierig aufgrund politischer Differenzen, interner Flügelkämpfe im ANC und Forderungen nach dem Rücktritt des Präsidenten. Der Ausgang der Gespräche bleibt daher spannend und wird Auswirkungen auf die politische Landschaft Südafrikas haben.
