Die drei Tage im Frühjahr 1988: Helmut Kohls geheime Reise in die DDR
Die drei Tage im Frühjahr 1988: Familienausflug und Wendetest
Im Frühjahr 1988 unternahm Bundeskanzler Helmut Kohl eine ungewöhnliche Reise in die DDR. Ohne mediale Begleitung reiste er privat in den anderen deutschen Staat, was damals für großes Aufsehen sorgte. Was führte Kohl im Schilde? Testete er die Möglichkeit zur Wende ab, seine Popularität oder wollte er sich einfach nur ein wahres Bild vom Zustand „drüben“ machen?
Die Reise Kohls hatte durchaus Münchhausen-Potenzial. Bereits ein Jahr zuvor hatte er dem DDR-Staatschef Erich Honecker das Versprechen abgerungen, die DDR privat besuchen zu dürfen. Die Staatssicherheit war in höchster Alarmbereitschaft, obwohl jegliche Berichterstattung über den Besuch ausgeschlossen war. Die Stasi begleitete Kohl und seine Familie auf Schritt und Tritt.
Ein Gespräch über Fußball soll angeblich der Auslöser für das unpolitische Abenteuer gewesen sein. Bei einem Treffen mit Honecker in Schweden hatte dieser sein Wissen über die westdeutsche Fußballgeschichte unter Beweis gestellt. Kohl nutzte geschickt einen Hinweis von Honecker, um sich öffentlichkeitswirksam Zugang zu einem Oberligaspiel in Dresden zu verschaffen.
Während des Besuchs vermied Kohl bewusst jegliche Form der Stasi-Begleitung. Selbst VIP-Räume und kulturelle Veranstaltungen wurden gemieden, um der Überwachung zu entgehen. Die skurrilen Ereignisse dieser Tage werden humorvoll in einer Doku beleuchtet, die auch die Angst und Paranoia der Stasi zeigt.
Der Besuch wurde von offizieller Seite heruntergespielt, doch die erhaltenen Fotos erzählen eine andere Geschichte. Kohl zeigte eine ungezwungene Kontaktfreude und wirkte in der Öffentlichkeit präsent. Trotzdem waren die Erfurter „Willy, Willy!“-Rufe von 1970 weit entfernt.
Im Anschluss an die Doku über Kohls Besuch beleuchtet ARTE auch den Skandal um den Spion Günter Guillaume, der zum Rücktritt von Kanzler Willy Brandt führte. Die Dokumentation zeigt die Rolle der Stasi im Fall Guillaume und wirft Fragen über die Verwicklungen in den Spionagefall auf.
Die Geschichten rund um die Besuche von Kohl und die Spionageaffäre um Guillaume zeigen, wie eng Politik und Geheimdienste miteinander verflochten waren. Die Dokus bieten einen spannenden Einblick in eine Zeit, die geprägt war von Geheimnissen und politischen Manövern.
