Sahra Wagenknecht startet politisches Engagement in Thüringen: „Klartext für Thüringen“
Sahra Wagenknecht hat am Freitag einen persönlichen Vorgeschmack auf die Grenzen des landespolitischen Engagements bekommen. Bei der ersten Pressekonferenz ihres noch zu gründenden Thüringer Landesverbandes ließ der Parteivorsitzende, der ihre Namen trägt, sie 15 Minuten warten. „Die Deutsche Bahn werden wir von Thüringen leider nicht verändern können“, kommentierte Wagenknecht mit einem Augenzwinkern. Dennoch kündigte sie an, in den nächsten sechs Monate verstärkt in ihrem Heimatbundesland präsent zu sein.
Obwohl Wagenknecht in Jena aufgewachsen ist, wird sie bei den Landtagswahlen im September nicht antreten, obwohl sie gute Chancen sieht, aus dem Stand mitzuregieren. „Es ist nicht unrealistisch, dass wir in Thüringen ab Herbst nicht nur von der Opposition aus etwas verändern können“, erklärte sie während der Präsentation ihrer Landtagswahlkampagne „Klartext für Thüringen“.
Die Bewegung Sahra Wagenknecht (BSW) wirbt in Thüringen damit, „nah bei den Menschen“ zu sein und zuzuhören, was sie bewegt. Wagenknecht betont, dass sie sich von anderen Parteien unterscheidet, indem sie einen direkten Kontakt zu den Menschen pflegt, anstatt sich in einer „Blase“ zu bewegen. Ein wichtiger Aspekt ist für die neue Partei die Präsenz von Unternehmern im Vorstand.
Ein prominenter Name in der Thüringer Politik, Katja Wolf, hat sich dem BSW angeschlossen und schockierte damit den Ministerpräsidenten von Thüringen, Bodo Ramelow. Wolf, die zuvor eine wichtige Politikerin der Linken in Thüringen war, erhielt das Angebot, als Ministerin in Ramelows Kabinett zu wechseln. Doch Wolf entschied sich klar für die neue Partei. Ob sie als Spitzenkandidatin bei den Landtagswahlen antreten wird, bleibt vorerst offen. Wagenknecht bezeichnete sie jedoch als „unsere Spitzenfrau in Thüringen“.
Die Partei plant, kurz nach dem sächsischen Landesverband auch in Thüringen aktiv zu werden. Ein erster Landesparteitag ist für Anfang Mai in Erfurt geplant, bei dem das Wahlprogramm vorgestellt und die Landesliste für die Landtagswahl im September aufgestellt werden soll.
Eine aktuelle Umfrage zeigte, dass 27 Prozent der Thüringer sich vorstellen können, BSW zu wählen. Wagenknecht sieht dies als große Ermutigung und betont, dass die Partei auch weiterhin mit persönlichen Überraschungen aufwarten wird. Mit bedachter Mitgliederwahl will die Partei einer Radikalisierungsfalle entgegenwirken. Der erfolgreiche Abschneiden bei der Europawahl soll zudem Rückenwind für den Herbst geben.
