Sexuelle Belästigung im ÖPNV: Weite Shirts gegen anzügliche Sprüche – was Frauen in Bus und Bahn erleben
Sexuelle Belästigung im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) ist ein Thema, das viele Frauen tagtäglich erleben. Obzöne Sprüche, ungewollte Anmache und sogar körperliche Übergriffe sind an der Tagesordnung, und die meisten Vorfälle kommen nicht zur Anzeige. Dieses Verhalten kann jedoch bald Konsequenzen haben, da es eine bevorstehende Gesetzesänderung geben könnte.
Ein Bericht von rbb24 beschreibt die Erfahrungen junger Frauen im Nahverkehr in Berlin und Brandenburg. Lilli, eine 24-jährige Sängerin, berichtet, dass Männer sie täglich in der Bahn anstarren und dass sie bereits Opfer von unerwünschtem körperlichem Kontakt war. Lillis Verhalten im Nahverkehr wurde durch diese Erfahrungen verändert, und sie zieht es nun vor, sich so zu kleiden, dass sie möglichst wenig Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Selma, eine weitere junge Frau, teilt Lillis Erfahrung und erzählt, dass sie sich so kleidet, um möglichst wenig Haut zu zeigen, da sie sich dadurch sicherer fühlt. Zahlreiche Frauen berichten von verbalen und körperlichen Übergriffen in Bussen und Bahnen. Laut der Berliner Kriminalstatistik stieg die Zahl der Sexualdelikte im öffentlichen Nahverkehr im letzten Jahr um 10 Prozent, trotz eines Anstiegs der Fahrgastzahlen um 26 Prozent.
Es wird deutlich, dass die Dunkelziffer solcher Vorfälle hoch ist. Viele Betroffene gehen nicht zur Polizei, und selbst wenn sie es tun, werden die Verfahren häufig eingestellt. Verbale sexuelle Belästigungen sind bisher nicht strafbar, was sich jedoch mit einer bevorstehenden Gesetzesänderung ändern könnte – es wird ein Straftatbestand für verbale sexuelle Belästigung gefordert.
Zudem fordern Experten in diesem Bereich mehr Sensibilisierung bei der Polizei und in der Gesellschaft, um übergriffiges Verhalten ernster zu nehmen und entsprechend zu ahnden. Es ist wichtig, dass sowohl Männer als auch Frauen sich aktiv gegen sexuelle Belästigung einsetzen und sexistisches Verhalten im Freundeskreis nicht tolerieren. Die Solidarität und Unterstützung von Freunden und Familie sind ebenfalls von großer Bedeutung.
Der Bericht verdeutlicht, dass sexuelle Belästigung im ÖPNV ein ernsthaftes Problem ist, das nicht länger ignoriert werden kann. Die bevorstehende Gesetzesänderung in Bezug auf verbale sexuelle Belästigung könnte ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sein, um Frauen im öffentlichen Nahverkehr besser zu schützen. Es zeigt auch, wie wichtig es ist, Sensibilisierung und Unterstützung in der Gesellschaft zu fördern, um sexualisierte Gewalt aktiv entgegenzuwirken.
