Regierungskrise in Österreich: Nehammer geht rechtlich gegen EU-Naturschutzverordnung vor
Der österreichische Regierungschef Karl Nehammer befindet sich inmitten einer schweren Regierungskrise, die durch die Zustimmung zur EU-Naturschutzverordnung ausgelöst wurde. Seine Umweltministerin Leonore Gewessler von den grünen Koalitionspartnern hat diese Zustimmung gegeben, doch Nehammer hält dies für rechtswidrig und hat rechtliche Schritte angekündigt.
Die Entscheidung des österreichischen Rates der Umweltminister war nur knapp erreicht worden, wobei die Stimme Österreichs ausschlaggebend war. Dies führte zu Spannungen innerhalb der Regierungskoalition und sogar zu einer Anzeige wegen Amtsmissbrauchs gegen die Umweltministerin.
Die Situation hat auch europaweit für Aufsehen gesorgt, besonders nachdem Nehammer die belgische Ratspräsidentschaft über die Angelegenheit informierte. Es herrscht Uneinigkeit über die juristischen Aspekte, insbesondere in Bezug auf die Bindung der Umweltministerin an die Stellungnahme der Bundesländer.
Nehammer drohte mit einer Nichtigkeitsklage und einer Anzeige wegen Amtsmissbrauchs, bezeichnete die Zustimmung als Verfassungsbruch und sprach von einem schweren Vertrauensbruch. Trotz der Forderung nach einem Koalitionsbruch entschied er sich jedoch, bis zu den regulären Wahlen im September abzuwarten, um Chaos zu vermeiden.
Die Umweltministerin hofft offenbar auf breite Unterstützung aus der Bevölkerung, wie eine Umfrage des WWF zeigt. Die Grünen wollen im Kernthema ihrer Partei punkten und ihre Unabhängigkeit von der ÖVP demonstrieren.
Es bleibt jedoch abzuwarten, wie sich die Situation weiterentwickelt, da die ÖVP auf die Grünen angewiesen ist und es noch einige politische Überlegungen bis zu den Wahlen im Herbst gibt. Die Zerrüttung innerhalb der Regierungskoalition zeigt, wie brüchig politische Bündnisse sein können und wie schnell sich Spannungen entzünden können.
