Studie zeigt: Was wäre, wenn Wahlmänner den Kanzler wählen würden?
Ein junger Politikwissenschaftler hat kürzlich ein interessantes Gedankenexperiment durchgeführt: Was wäre, wenn in Deutschland nicht der Bundestag, sondern Wahlmänner den Kanzler wählen würden? Julius Kölzer, Student im Masterstudiengang aus Kiel, hat auf Grundlage der bisherigen Bundestagswahlergebnisse dieses Szenario durchgerechnet und dabei überraschende Ergebnisse erzielt.
Das amerikanische Wahlmännersystem, das hierzulande oft als unfair angesehen wird, stand im Fokus von Kölzers Analyse. Dabei stellte sich heraus, dass auch nach diesem Wahlrecht der aktuelle Kanzler Olaf Scholz heißen würde. Die SPD hätte mit einer komfortablen Mehrheit von 240 Stimmen im Wahlkollegium die Nase vorn, während FDP und Grüne überhaupt nicht vertreten wären. Lediglich Bayern und Baden-Württemberg würden der Union Stimmen zusprechen, während Thüringen und Sachsen an die AfD gehen würden.
Interessanterweise hätte die Mehrheit der Kanzler der letzten 70 Jahre auch nach dem US-System gewählt werden. Lediglich in zwei bedeutsamen Ausnahmefällen hätte es Abweichungen gegeben: 1969 hätte Willy Brandt (SPD) noch nicht das Amt des Kanzlers übernehmen können, und 2005 wäre Gerhard Schröder (SPD) im Amt geblieben, obwohl die Union damals knapp vorne lag.
Außerdem fand Kölzer heraus, dass Hessen und das Saarland die „Schunkelländer“ Deutschlands wären, die ähnlich wie die Swing-States in den USA von den Wahlkämpfern besonders beachtet werden müssten. Im Gegensatz dazu wäre Baden-Württemberg eine sichere Bank der Konservativen, vergleichbar mit Texas in den USA.
Insgesamt liefert diese Analyse interessante Einsichten darüber, wie sich die deutsche Politik und Wahlentscheidungen verändern würden, wenn das amerikanische Wahlmännersystem angewendet würde. Es zeigt auch, dass trotz eines anderen Wahlsystems die Ergebnisse oft ähnlich ausfallen können. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die politische Landschaft in Deutschland in Zukunft entwickeln wird.
