Thomas Gottschalk: Das Ende von „Wetten, dass..?“ – Wie sich der Moderator in die Opferrolle flüchtet und unbeliebt macht
Thomas Gottschalk moderierte am 25. November zum letzten Mal „Wetten, dass..?“. Viel wurde schon vor Thomas Gottschalks letzter „Wetten, dass..?“-Sendung am 25. November diskutiert. Die einen trauern einer großen TV-Ära nach, die in den letzten Jahren künstlich verlängert wurde, die anderen ärgern sich fast schon mit Begeisterung über Gottschalks Sprüche, die sich seit den 80er Jahren kaum verändert haben.
Eines steht jedoch fest: „Wetten, dass..?“ befindet sich in einer Schieflage, seit das Format 2021 nach dem Lanz-Flop im ZDF zurückgekehrt ist. Die berauschenden Einschaltquoten der Revival-Shows können darüber nicht hinwegtäuschen.
In seiner letzten Sendung gab Gottschalk dem Publikum noch einmal so einige Rätsel auf und hielt sich ganz am Ende mit Eitelkeiten nicht zurück. Wiederholt bemühte er sich um das „Ich darf im Fernsehen nichts mehr sagen“-Narrativ. Dabei sprechen die Fakten gegen ihn.
Am Ende der Show begründete der Moderator, warum er bei „Wetten, dass..?“ hinwirft. Ein entscheidender Faktor: Er düfte im Fernsehen nicht mehr so sprechen wie zu Hause, zuletzt schaue ihn die Redaktion aus Angst vor Shitstorms auf die Finger. Wie passt das zum Maulkorb, über den sich die TV-Legende wiederholt beschwert?
Ein Beispiel ist eine Außenwette aus der Schweiz, die am 25. November über die Bühne ging. Die Stanserhorn-Bahn sollte innerhalb von zwei Minuten zehn Meter weit den Berg hinaufgezogen werden. Show-Gast Bastian Schweinsteiger hakte nach, wie die Bahn wieder zurückkomme. Gottschalk ließ plötzlich den Populisten aus sich heraus und stichelte: „Bergab geht’s sogar in der Schweiz von allein. Wir in Deutschland brauchen die Politik dazu, dass es bergab geht.“
Für die meisten Diskussionen sorgte aber wohl Gottschalks Gespräch mit Shirin David. Der Moderator konfrontierte die Rapperin damit, dass sie seiner Meinung nach nicht aussehe wie eine Feministin und zeigte sich auch überrascht darüber, dass sie sich für Opernmusik interessiert.
Der Moderator kann nicht erwarten, dass sich nie etwas ändert, doch nun, wo es passiert, wird es ihm direkt zu ungemütlich. Er könnte sich nach wie vor mit den Einschaltquoten für „Wetten, dass..?“ rühmen. Doch die kritischen Reaktionen verletzten Gottschalks Ego offensichtlich zu sehr. Seine Entscheidung, in Rente zu gehen, ist die absolut richtige. Das Format als solches passt in dieser Zeit nicht mehr. Dass ihm zum Finale ausgerechnet eine Feministin verbal ein blaues Auge verpasst hat, schließt das Kapitel sogar auf denkbar amüsante Weise ab.
