Robert Habeck (54) will’s wissen: Grüner Wirtschaftsminister eröffnet parteiinternen Wettkampf um Kanzlerkandidatur
Robert Habeck (54) will es wissen. Der grüne Wirtschaftsminister hat den parteiinternen Wettkampf um die Kanzlerkandidatur eröffnet. Mit einer auffälligen Öffentlichkeits-Offensive. So postete er zu Ostern ein Video über Krieg und Frieden, in dem er die Weltlage und den Streit in Deutschland über Waffenlieferungen einordnete und bewertete. Staatstragend, mit weinroter Krawatte.
Habeck spielt gerade sehr bewusst seine Stärken aus. Er ist Philosoph, redet in blumigeren Worten als andere Politiker. Und macht das, was Olaf Scholz (65, SPD) schwerfällt – erklären, Gefühle zeigen, über Zweifel sprechen.
Nicht nur in Videos, auch gegenüber Wirtschaftsverbänden präsentiert sich Habeck als freundlichere Kanzleralternative. Egal, ob Industrieverband BDI oder Arbeitgeberverband, die Wirtschaftsbosse sind mächtig sauer auf Scholz. Sie klagen, der Kanzler nehme ihre Warnungen nicht ernst und loben Habeck als zugewandten Zuhörer.
Der grüne Spitzenmann wird zeigen: Er kann das große Ganze. Macht gerade mehr auf Vizekanzler als auf Fachminister mit der x-ten Kleinteil-Wirtschaftsverordnung. Reist als Deutschland-Vertreter um die Welt, zuletzt in die USA, nach Saudi-Arabien und Israel.
„Habeck macht bei jedem Auftritt klar, dass er unbedingt Kanzlerkandidat werden will“, so ein Grünen-Insider zu BILD. „Auch parteiintern lässt Habeck keinen Zweifel daran, dass er sich definitiv zutraut, das Kanzleramt zu holen, Scholz und Merz zu schlagen.“ Nach dem verstolperten Wahlkampf von Annalena findet Robert, dass er an der Reihe ist.“
Mit Annalena ist Außenministerin Baerbock (43) gemeint. Problem: Die signalisiert nicht, zugunsten von Robert verzichten zu wollen. Und hinter Baerbock stehen mächtige Unterstützer, ganz vorn Fraktionschefin Britta Haßelmann (62). Sie und einige andere Abgeordnete finden, Baerbock mache den besseren Job.
Allerdings hat auch Habeck mächtige Unterstützer, darunter Parteichef Omid Nouripour (48) oder Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (75).
Wenn Baerbock und Habeck beide wollen, gibt es eine Mitgliederabstimmung. Schon jetzt wird an Kommunikationsstrategien dafür gearbeitet. Nach dem Motto: Beim letzten Mal haben wir es unter uns ausgemacht, ein Fehler, jetzt habt ihr die Wahl.
Die Hoffnung: Dass eine solche Abstimmung die Parteimitglieder mobilisiert, Aufmerksamkeit für die Grünen bringt.
Es gibt aber auch Leute, die eine Kampfkandidatur nicht für glücklich halten. Nur wer soll zwischen Habeck und Baerbock vermitteln und sie von einem Verzicht überzeugen?
Nach Einschätzung eines wichtigen Mitglieds wird das nur einem zugetraut: Cem Özdemir (58). Der Bundeswirtschaftsminister, der 2026 als Ministerpräsidentenkandidat in Baden-Württemberg antreten wird, ist eigentlich ein Habeck-Mann. Der hatte damals die Idee, Özdemir zum Minister zu machen und so Anton Hofreiter (54) zu verhindern. Weil Baerbock bei dem Plan mitzog, hat Özdemir aber auch ein gutes Verhältnis zu ihr. Solch ein Verhandler mit guten Nägeln in beiden Lagern hat Seltenheitswert bei den Grünen.
Egal, ob es zu einem Wettrennen zwischen Habeck und Baerbock kommt, spätestens zum Jahresende soll feststehen, wer die Grünen als Kanzlerkandidat in den Wahlkampf führt.
