„Junge Wähler vertrauen AfD in europäischen Angelegenheiten – Soziologe erklärt“
Die Europawahl steht bevor und eine interessante Tendenz zeichnet sich ab: Erstwählerinnen und Erstwähler scheinen der AfD am ehesten zuzutrauen, europäische Probleme zu lösen. Doch warum ist das so? Der renommierte Soziologe Wilhelm Heitmeyer äußert dazu seine Verwunderung und erklärt, dass viele junge Menschen sich vermutlich nicht über die Fehlerhaftigkeiten der Europäischen Union im Klaren sind.
In einer repräsentativen Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zeigt sich, dass sowohl der AfD als auch der SPD von den erstmals Wahlberechtigten 14 Prozent zutrauen, die Probleme in Europa zu lösen. Die CDU/CSU wird hingegen in der Gesamtbevölkerung als kompetenter angesehen. Besonders auffällig ist, dass die AfD in der jungen Wählerkohorte (16 bis 22 Jahre) häufiger genannt wird als in der Gesamtbevölkerung.
Heitmeyer führt dies auf die Argumentation der AfD zurück, die die Souveränität der Nationalstaaten betont und damit bei einigen jungen Menschen punktet. Autoritarismus, Nationalismus und Radikalismus erscheinen manchen Erstwählern attraktiv, insbesondere jungen Männern, die sich nach Überlegenheit und Macht sehnen.
Die Studie zeigt allerdings, dass die europapolitischen Kompetenzzuschreibungen nicht unbedingt mit dem tatsächlichen Wahlverhalten der Generation Z übereinstimmen. Parteien wie FDP, Linke und Grüne erzielten bei jungen Wählern bei vergangenen Wahlen bessere Ergebnisse als bei der Gesamtbevölkerung. Dennoch gewinnt die AfD bei jungen Wählern in einigen Bundesländern wie Bayern und Hessen an Zustimmung.
Heitmeyer warnt davor, dass eine Demokratie im globalen Trend zunehmend unter Druck gerät. Viele junge Menschen neigen dazu, sich durch Abwertung anderer zu profilieren, was auch politisch im Aufwind der AfD zum Ausdruck kommt. Er erklärt dieses Phänomen mit der Abfolge von Krisen in den letzten zwei Jahrzehnten, die zu Angst und Kontrollverlust führen. Die AfD setzt hier an, indem sie eine autoritäre Gesellschaftspolitik verspricht, die Kontrolle wiederherzustellen.
Besonders gefährlich ist, dass die AfD in den digitalen Medien erfolgreich auf Emotionalisierung setzt, während sachpolitische Inhalte relativ weniger Beachtung finden. Dieser Ansatz, gepaart mit einem völkischen Gesellschaftsbild, das die fragilen Machtkonzepte traditioneller Männlichkeit bedient, kann junge Menschen in eine gefährliche Richtung lenken.
Es ist wichtig, dass wir diese Entwicklungen im Blick behalten und jungen Menschen eine fundierte politische Bildung bieten, um extremistische Tendenzen frühzeitig entgegenzuwirken. In einer Zeit, in der Demokratie und Meinungsfreiheit herausgefordert werden, ist es entscheidend, die jungen Generationen zu stärken und sie für eine demokratische Zukunft zu sensibilisieren.
